Zufällig Türkei

 

Das erste Mal war´s zufällig die Türkei

Im Jahr 1988 traf ich nach Jahren meine beste Freundin Renate aus der Schulzeit wieder.

Sie war seit zwei Wochen Witwe und sah schrecklich aus. Wir trafen uns jetzt häufiger zu Spaziergängen, Cafe- und Kinobesuchen. Später gestand sie mir, dass ich sie aus einem riesigen Loch geholt hätte. Mir war das weniger bewusst, ich hatte die langen Gespräche genossen, und anscheinend bei der Trauerbewältigung geholfen.

Da wir soviel gemeinsam unternahmen, planten wir auch einen gemeinsamen Urlaub.

Wir wollten in die Sonne. Inselhüpfen in Griechenland wurde verworfen, weil wir erfahren hatten, dass das Wetter im April dort sehr unbeständig sein kann. Wir hatten nur einen kleinen Etat zur Verfügung und einigten uns darauf, dass Flug und Transfer nicht einen ganzen Urlaubstag verschlingen sollte, weil wir nur 14 Tage zur Verfügung hatten. Renate übernahm den Gang ins Reisebüro, rief mich von dort an, und heraus kam:

 

„14 Tage Türkische Riviera im 3 * Sterne Hotel Serda in Konakli mit HP“

 

Konakli war zu dieser Zeit noch ein Kaff mit nur einer Geschäftsstraße, die allerdings nach ca. 400m in der Pampas endete. Das Serda gehörte zur Banans-Gruppe und verdiente auch nach internationalem Standard seine 3 *.

Es war ein wunderschöner Urlaub und der Anfang einer großen Liebe.

 

Agi Seifert, 11. Oktober 2002


Gewürzkauf in Gaziantep

Da ich ein leidenschaftlicher Koch bin und gern mal etwas Türkisches zubereite, brauche ich natürlich die passenden Gewürze. Auf unserer Rundreise durch den wilden Mittelosten J der Türkei, stand deshalb Gewürzkauf auf dem Plan.

Wir hatten uns entschlossen, dies in Gaziantep zu tun, da unser Freund Erdal und sein Vater, nach 18 Jahren Deutschlandaufenthalt, wieder dort wohnt. Nach einem ausgiebigen Frühstück  (Südbörek mit warmer Ziegenmilch) wurden wir von den Beiden zu einer Führung durch den Gewürzbasar abgeholt. Mehreren Händlern wurden wir vorgestellt und von jedem genötigt die Ware zu verkosten. 

Mein Gesicht auf dem Foto besagt nicht, dass die Warenprobe nicht zu meiner Zufriedenheit ausgefallen ist, sondern dass wir noch nicht über den Preis gesprochen haben J
(nicht lächeln bevor man sich über den Preis geeinigt hat
JJ )

Nachdem wir ausgiebig gekostet hatten, kam die eigentliche Hürde: Die Menge !
In der Türkei ist die kleinste Einheit anscheinend ein Liter /Kilo. Ich erklärte, dass wir den Einkauf  irgendwie nach Hause bringen müssten, stieß hierbei aber auf Unverständnis.
Nach langem hin und her hab ich dann aber doch noch eine „kleine“ Menge bekommen.

Hier die Einkaufsliste:

500 gr. Pulbiber
500 gr. Izot
½ Liter TR-Balsamico (ist so was wie ein sehr scharfer und saurer sirupartiger Essig)
250 gr. Kreuzkümmel
500 gr. Pinienkerne
1 kg. Paprika Salschah
200 gr. Safron (Safran)

Robert Schwedt, 27. Oktober 2002


 
  Gewürzkauf in Gaziantep    
  Braune Schilder fahren    

Der Köprülü Kanyon Nationalpark


 

       
       
       
   



       

     
       

   

   

   

   

   

   

   

 

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"Braune Schilder fahren"

 





 

Wer schon mal in der Türkei unterwegs war, dem sind vielleicht die braunen Schilder am Straßenrand aufgefallen. Sie weisen auf Sehenswürdigkeiten hin. Nun, wir wollten auch mal etwas abseits der eingefahrenen Touri Pfade sehen und beschlossen: „Morgen fahren wir in Richtung Gazipascha und biegen bei den braunen Schildern ab“

Gesagt getan und so ging es los. Das erste braune Schild kommt und weist uns den Weg nach Laertes. Laertes, noch nie gehört, aber wir sind ja noch jung, haben Zeit und einen vollen Tank, also links ab in die Yayla. Zuerst geht’s munter über eine Asphaltstraße und das nächste Schild taucht auf , diesmal ein gelbes, (zur Erklärung: die braunen Schilder waren früher gelb) alle 200 Meter wird die Straße schlechter und die Gegend wird immer ländlicher, wir kommen an Hütten vorbei die so windschief sind, dass wir Angst haben, sie fallen uns jeden Moment vors Auto. Nach ca. 1,5 Kilometer stehen wir zwischen irgends und nirgends.  Die Straße ist einem Feldweg übergegangen, der nur noch aus Lehm besteht  und mit fußballgroßen Steinen durchsetzt ist, dazu muss ich anmerken, dass es die letzten zwei Tage geregnet hat, was den Zustand der Straße nicht gerade verbessert hat. Wir suchen also eine Möglichkeit zum drehen und holpern zurück Richtung Zivilisation.

Nun, wer uns kennt weiß, dass wir uns nicht so schnell entmutigen lassen. Das nächste Schild rauscht an uns vorbei: „Scheiße zu schnell“. Aber es kommen ja noch andere, das haben wir an den Vortagen gesehen, als wir in der selben Richtung unterwegs waren  um essen zu gehen und Honig zu kaufen. Also nimmt Agi den Fuß vom Gas, und nach wenigen Minuten kommt auch schon wieder ein Schild „Seydra“.

Diesmal ist die Straße von Anfang an schlecht und windet sich steil den Berg hoch, aber auf dem Schild stand, dass es nur drei Kilometer sind.  Augen zu und durch, lautet daher unser Motto. Wir kommen an Bananenplantagen vorbei, die in den Hang gebaut sind und genießen die Aussicht über Alanya (Mamutlar).

Die nächste Haarnadelkurve ist nur noch mit vor- und zurücksetzen zu meistern, und wir denken uns das es schlimmer ja nicht mehr werden kann. Aber auch hier weit gefehlt. Wir stehen vor einer Dorfschule auf einem kleinen Schulhof der zur Meerseite hin durch eine Steilwand begrenzt wird (Unbefestigt natürlich). Die Kinder winken uns zu und wir suchen weiter nach der Straße, die uns an unser erhofftes Ziel bringen soll. Da, eine Spur. Na ja, keine richtige, aber zumindest der Ansatz eines befahrbaren Weges ist zu sehen. Es geht weiter bergauf, und das auf einer Straße die den Namen nicht verdient hat. Wieder aufgeweichter Lehmboden mit Felsen durchsetzt. Die Steigung ist beachtlich und die Fahrrillen werden immer tiefer. Wir schauen auf den Kilometerzähler und stellen entsetzt fest, dass es immer noch gut 1000 Meter bis zum Ziel sind.

Die Bodenrillen erreichen langsam eine gefährliche Tiefe und sind zu allem Überfluss mit Wasser gefüllt. Das macht es noch schwerer die Tiefe zu schätzen. Unser armer Siena, ansonsten ein recht braves Auto, schaukelt hin und her und bei mir macht sich immer mehr der Gedanke breit „Nicht stecken bleiben, bitte bitte nicht stecken bleiben, wenn du da raus musst  um das Auto aus einem Loch zu drücken, kannst du dir nachher beim Hals-Nasen-Ohrenarzt den Schlamm mit Hammer und Meisel entfernen lassen“.

Eine Wendemöglichkeit gab es aber auch nicht, und so kletterten wir weiter auf der Suche nach einem Fluchtweg zurück nach Alanya. Endlich kam eine Stelle zum wenden. Wir wischten uns den Schweiß von der Stirn,  wendeten „was an sich schon eine Geschichte wert wäre“ und tasteten uns den Weg wieder zurück. Was meiner Meinung nach schlimmer als der Aufstieg war, da die Bremsen laut quietschten und knarrten. Unten angekommen haben wir uns erst mal eine Zigarette gegönnt und das arme Auto ein paar Minuten ausruhen lassen.

Wir haben dann doch noch einen Blick auf die Ruinen von Seydra werfen können, zwar nur von unten, auf dem Rückweg aus Gazipascha, wo wir im Tadim essen waren. Aber immerhin. Na ja beim nächsten mal „Braune Schilder fahren“ werden wir uns auf jeden Fall einen Geländewagen nehmen.

 Agi Seifert, Robert Schwedt, 10. März 2003



 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 




 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


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Der Köprülü Kanyon Nationalpark

Wie die meisten wissen, bin ich seit ca. einem Jahr Jahr ein begeisterter Angler.
Was liegt also näher als sich mal an Flüssen herumzutreiben, zumal es in der Region Antalya/Alanya davon eine Menge gibt. Nun, ich hatte mir den Köprülü Kanyon-Nationalpark als Ziel ausgesucht, da durch ihn ein Fluss fließt und ich so bei mir dachte:

„hm , Fluss + Nationalpark = gut angeln“.

Auf dem Weg nach Antalya hab ich mir schon mal angeschaut wo es langgeht und mir danach eine Route vom Autoroute berechnen lassen. Hier war im Nationalpark noch eine Sehenswürdigkeit eingetragen die wir uns anschauen wollten. Beim „Briefing“ kam von Agi die Idee: „Wenn wir schon mal in der Gegend sind, können wir uns noch mal Aspendos anschauen, da führt die Straße dran vorbei, und dann wir fahren auf der ausgeschilderten Strecke zurück. Wir brauchen ja immer nur geradeaus, zwei mal links und einmal rechts und kommen direkt bei den Ruinen von Selge aus.“

Anmerkung: Das war vor der Story mit den braunen Schildern.

Der nächste Morgen naht, wir stehen etwas früher auf als sonst, um uns nicht so ab zu hetzten. Nach dem Frühstück machen wir uns auf in Richtung Antalya. Top ausgebaute Straßen und halbwegs schönes Wetter. Unterwegs noch mal den Tank füllen, Wasser nachladen. Wir sind guter Dinge und freuen uns, einen schönen Ausflug zu machen.

Die Straße nach Aspendos ist in gutem Zustand und wir lachen und scherzen über die Gold-, Leder-, und Teppichfabriken am Wegesrand.

Da wir das Theater von Apendos kennen, ist der Aufenthalt eher kurz bis gar nicht. Wir suchen nach einem Schild (braun) mit der Aufschrift „Selge“. Hm, kein Schild. Na ja, was soll’s, wir sind halt in der Türkei, da nimmt man es mit Schildern nicht so genau. Also suchen wir die Straße, die in die Yayla führt und tatsächlich am Ende des Parkplatzes, ganz hinten, ist ein schmaler Weg zu sehen, der in die Berge führt. Nicht gut ausgebaut, aber immerhin noch mit Schotter bedeckt.

Wir kommen an den Ruinen der Aquädukte vorbei, die von Aspendos aus nicht, oder nur schlecht zu sehen sind und wir machen die ersten Fotos.

     

Die Strasse verläuft recht gerade in Richtung Berge weiter, ohne an Steigung zuzunehmen. Hier und da ein Schlagloch, aber nichts, womit man nicht leben könnte. Die nächsten Aufnahmen werden gemacht.

   

Und dann sehen wir ihn, den Fluss. Breit und schön, nicht allzu tief, aber immerhin breiter als alle die ich bis dato in der Türkei gesehen habe. Ein wunderbarer Anblick, aber seht selbst.

   

Ich denk noch so bei mir „Mann alter Schwede, das hat sich ja mal echt gelohnt. Toller Fluss, nur schade das du keine Angel dabei hast“. Da kommt das erste Stück ausgefranste Straße. Von der Bergseite fließen kleine Bäche in Richtung Fluss und tragen so nach und nach die Straße mit sich. Noch ist genug Platz dem auszuweichen und wir fahren weiter (vorsichtig mit 20 km/h).

Die Strasse wird wieder besser. Der Fluss hat sich gewandelt, er ist jetzt mit Sand- und Schlammufer gesäumt und fließt träge vor sich hin.

   

Eine tolle Landschaft. Innerlich beglückwünsche ich Agi zu ihrer Idee, diesen Weg zu nehmen.  Langsam führt die Straße vom Fluss weg und ein paar Felder breiten sich aus. Am Rand stehen kleine Häuser die aber recht verlassen aussehen.

Es kommt die erste Gabelung. Wie war das noch? Links halten! Aber links geht nur ein Feldweg weiter und rechts ist ein Dorf zu sehen mit einer besser ausgebauten Strasse. Also erst mal nach rechts. Zudem fließt der Fluss auch nach rechts ab.

Wir fahren in das Dorf und suchen nach einer Strasse die weiter  in Richtung Fluss führt. Die Strasse führt nicht durch das Dorf, sie endet im Dorf. Nach dem wir alle drei Straßen des Dorfes abgefahren sind, halten bei einem Haus. Wir fragen höflich nach dem Weg nach Selge.

Nun, wer unser türkisch kennt weiß, dass wir nicht verstanden werden können. Also wird noch jemand hinzugezogen, der anscheinend schmerzfreier unser türkisch über sich ergehen lassen kann. Schließlich gelingt es doch, uns mit Armen und Beinen eine ungefähre Richtung zu zeigen.

Wir wenden und fahren wieder zurück um uns dem Feldweg anzuvertrauen. (ich hab später auf der Karte nachgeschaut. Das Dorf in dem wir waren heißt Bucak und die Straße endet dort als Sackgassen)

Wir hoppeln so auf dem Weg dahin und versuchen uns zu erinnern, wie das Ganze auf der Karte ausgesehen hat. Erste links zweite rechts dritte links oder doch eher zweite, dritte rechts oder links oder wie, oder was. Nun ja, bis jetzt hat sich noch kein Entscheidungszwang eingestellt, weil keine andere Straße in Sicht war. Da, eine Abzweigung, ne die können wir nicht nehmen, schau dir mal an wie der Weg aussieht (wie gesagt das war vor dem „braune Schilder fahren“) wir bleiben erst mal auf der „besseren“ Straße. Zu allem Überfluss schlängelt sich jetzt der Weg und nach ca. 3 Kilometern wissen wir nicht mehr, wo oben und unten ist. Ich denk noch: „Welch ein Glück, dass wir vorher noch getankt haben“. Es sind auch keine Hütten oder Dörfer zu sehen bei denen wir hätten fragen können und zum umkehren sind wir zu stur. Na ja, irgendwo muss es ja hinführen. Jede Straße kommt irgendwann an einem Dorf vorbei, also Augen auf und durch.

Wieder eine Abzweigung und diesmal die Qual der Wahl, weil beide Strassen gleich schlecht sind.  Im nach hinein weiß ich auch nicht mehr, welche wir genommen haben, aber anscheinend hatten wir Glück. Ein paar Kilometern weiter stießen wir auf ein Dorf. Wieder die Frage nach „Selge“, wieder das gleiche Spiel, Schulterzucken,  gestikulieren, eine große Beratung die uns nichts bringt. Da kommt mir die rettende Idee „Beschkonak“. An dem Ort müssen wir bei der Rückroute vorbei. Ich kram meine paar Brocken türkisch noch mal zusammen und frage nach Beschkonak. Die Minen hellen sich auf, man weist uns die Richtung, verabschiedet uns mit Handschlag und wir machen uns auf in der Hoffnung doch noch auf dem richtigen Weg zu sein.

(falls ihr euch wundert warum es so lange keine Bilder mehr gegeben hat, wir hatten mit der Straße und der Orientierung alle Hände voll zu tun)

Die Straße wird zwar nicht besser, aber jetzt kommen wir in halbwegs regelmäßigen Abständen an Hütten und Dörfern vorbei. Wir fahren über Brücken die über kleine Bäche führen. Diese  Brücken sehen nicht gerade Vertrauens erweckend aus, aber was nutzt es. Der Weg führt halt über sie weiter. Dann ein Lichtblick: „Touristen“,  zwar nur drei, aber immerhin und da steht auch so was wie ein Dolmus. Damit müssen die wohl hier her gekarrt worden sein.

Aber was wollen die hier, weit und breit keine Sehenswürdigkeit in Sicht. Wir beschließen in entgegen gesetzter Richtung zu fahren in die der Dolmus geparkt steht. Tatsächlich, die Strasse wird einen Tick besser. Jetzt breiten sich auch langsam wieder rechts und links Felder aus und von Dorf zu Dorf werden die Gewächshäuser größer. Zum Schluss kommen wir unserer Meinung nach  in eine vor Leben strotzende Großstadt. Wir sind in Serik gelandet.

6 Kilometer westlich von dort, wo wir nach Aspendos eingebogen sind. Eigentlich hätten wir ja, wenn wir denn immer den richtigen Weg gefunden hätten, 8 Kilometer östlich von Aspendos rauskommen sollen.  Aber was soll’s, es war auf jeden Fall ein Abenteuer. Beim nächsten Mal fahren wir eh nur bis zum Fluss und werden dort picknicken und angeln, so Agi will ;-)

Robert Schwedt, 21. März 2003



 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 

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